Samstag, 24. Oktober 2015

VERMISSEN IST OKAY

Dieser stechende Schmerz in der Brust, wenn man an eine verdammt gute Zeit zurückdenkt und merkt, dass sich alles verändert hat. Nichts ist, wie es vor 4 Monaten noch war. Die Gesichter von früher verschwimmen langsam im Kopf, langsam vergisst man ihre Stimmen, ihre Verhaltensweisen. Obwohl man viele Jahre mit ihnen verbracht hat verschwinden sie im Durcheinander des „neuen“ Lebens. Dabei sind sie gar nicht so weit von mir entfernt. Einige Kilometer, eine Zugfahrt, ein Anruf, eine Nachricht. Trotzdem kann man mit einem Besuch, mit einem Nachmittag im Café, nach zwei Stunden Skypen diese Zeit nicht wieder zurückholen. Es ist vorbei und ich muss nach vorne blicken. Weiterleben. Erleben. 
Wenn die anfänglichen Freuden über das sogenannte „neue Leben“, das man jetzt ohne die besten Freunde führt, verschwinden, kommt das mulmige Gefühl wieder hoch. Das Gefühl eigentlich gar nicht weiter gehen zu wollen, sondern sich lieber wieder in den vertrauten vier Wänden des Gymnasiums verkriechen zu wollen. Das kollektive Jammern, der Mensa-Kaffee, die Chemieaufgaben, die vertrauten Gesichter der Lehrer, mein Schliessfach. Alles weg. 
Möchte ich mich einfach vor dem richtigen Leben drücken? Vor Verantwortungen, Selbstständigkeit und Ungewissheit? Nein, eigentlich nicht. Ich weiss nur nicht, ob ich bereit dafür bin. Aber wer war es schon? 

Dabei liebe ich das Leben, das ich jetzt führe. Ich habe neue Freunde, neue Lehrer, neuer Mensa-Kaffee, ein neues (und sehr viel kleineres) Schliessfach. Ich lebe ein normales und dennoch erfülltes Leben. Ich bin zufrieden. Sehr sogar. Aber bin ich glücklich? Glücklicher als ich es vor der Uni war? Ich weiss es nicht. 

Aber vermissen ist okay. Abschied nehmen von Dingen und Menschen, die man lange Zeit für selbstverständlich hielt, ist schwer. Es braucht Zeit. Und eigentlich habe ich mich noch nicht ganz davon verabschiedet. Aber irgendwann muss ich das. Nach vorne blicken. Aufrecht durch’s Leben gehen, haben mir immer alle geraten. Meine Freunde von damals werde ich auch in Zukunft auch sehen, aber es wird nie wieder so sein wie früher. Ich entwickle mich weiter. Sie entwickeln sich weiter. Und unsere Freundschaft entwickelt sich weiter. Und das ist gut so. Es muss vielleicht auch gar nie mehr so sein wie früher. Es soll gar nicht so sein wie früher, es soll besser sein. Abschied nehmen von unserer alten Freundschaft und ein Toast auf unsere neue. Vermissen ist okay, aber die Vorfreude auf die vielen neuen Momente darf nicht fehlen. In Erinnerungen schwelgen,  sie für kurze Zeit wiederbeleben. Aber dann weiterleben. Erleben. 







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